Geschichte

1955 von einer Gruppe weltoffener, weitsichtiger und der Solidarität verpflichteter Persönlichkeiten gegründet,
ist Helvetas heute, nach dem Zusammenschluss mit Intercooperation 2011, die grösste schweizerische Entwicklungsorganisation.

Ein Blick zurück in die Geschichte von Helvetas

Eine Gruppe von befreundeten Zivildienstlern, Quäkern, Flüchtlingshelfern und Ingenieuren organisierte sich bereits 1954, um einen schweizerischen Beitrag an die materielle, soziale und kulturelle Entwicklung wirtschaftlich benachteiligter Völker ausserhalb Europas zu leisten. Unterstützt von den damaligen Bundesräten Max Petitpierre und Friedrich Wahlen gründeten sie im Juni 1955 das Schweizerische Hilfswerk für aussereuropäische Gebiete (SHAG) - die spätere Helvetas. Durch die Bildung von Regionalgruppen, die eigene Projekte verabschieden können, sollte das SHAG zu einer Volksbewegung werden.

Bei der Vereinsgründung waren gerade mal 3564 Franken und fünf Rappen in der Startkasse und zwei Projektideen für Nepal und Irak auf Papier. Doch schon im Herbst 1955 gelangten erste Geldbeträge und technische Instrumente nach Nepal. Andere Projekte scheiterten aufgrund strategischer Uneinigkeiten. Noch ohne moderne Kommunikationsmethoden war es schwierig, Mitarbeiter im In- und Ausland auf gemeinsame Strategien zu verpflichten. Dennoch weitete sich die Projektarbeit rasch aus, und das SHAG erwarb sich den Ruf eines Trinkwasserexperten. Früh wurde in die Ausbildung lokaler Fachleute investiert und eine enge Zusammenarbeit mit einheimischen Behörden und Dorfgemeinschaften gepflegt.

Als sich zu Beginn der 60er Jahre der Bund und die etablierten Schweizer Hilfswerke mit eigenen Projekten in die „Dritte Welt“ wagten, ist das SHAG bereits in Nepal, Tunesien und Kamerun tätig. Seine Erfahrungen und Projektansätze sind in der Schweiz sehr gefragt, und der Bund übergibt immer häufiger Projekte in die Regie des SHAG. Doch gleichzeitig steigt die Konkurrenz anderer Hilfswerke. Und bezüglich der strategischen Ausrichtung der Organisation gibt es unterschiedliche Vorstellungen. In der Folge kam es zu personellen Wechseln, strukturellen Reformen und schliesslich zur Namensänderung: Aus SHAG wird Helvetas.
  • In den 70er und 80er Jahren erlebt Helvetas ein atemberaubendes Wachstum: aus drei Projektländern werden 15, und die Mitgliederzahl steigt ebenso stark wie das Jahresbudget. Doch das Manövrieren zwischen politischen Fronten wird schwieriger. Zu den bisherigen 20‘000 Mitglieder kamen allein in den 70er Jahren 10‘000 neue dazu. Auch das Budget stieg von knapp drei Millionen Ende der 60er Jahre auf 20 Millionen Anfang der 80er. Die Projektarbeit wird ausgedehnt, und in der Schweiz ist Helvetas beim Aufbau entwicklungspolitischer Netzwerke beteiligt. Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, musste der Verein professionalisiert werden. Ein verkleinerter Vorstand aus bewährten Entwicklungsfachleuten gestaltete den Verein zu einer professionellen Organisation um. Die Kehrseite der Professionalisierung war, dass immer mehr Regionalgruppen mangelnde Beteiligung und schwindenden Handlungsspielraum beklagten. 1983 wird den Regionalgruppen darum ein grösserer Stellenwert im Bereich der Kommunikations- und Bildungsarbeit sowie in der Mittelbeschaffung eingeräumt. In der 70er Jahren erhielt die entwicklungspolitische Arbeit neue Konturen: Die Hilfswerke erkannten, dass die „Unterentwicklung“ im Süden viel mit „Fehlentwicklungen“ im Norden zu tun haben und mischten sich vermehrt in die nationale Politik ein. Für Helvetas war dies angesichts ihrer heterogenen Spenderinnen- und Mitgliederbasis ein heikles Unterfangen: Während namhafte Unternehmen ihre Spenden einstellten, weil Helvetas sich an laufenden Diskussionen beteiligt, kritisierten andere, dass Helvetas entwicklungspolitisch „heisse Eisen“ gar nicht anfasse. Nach langem Seilziehen einigte man sich intern darauf, bei parteipolitischen Auseinandersetzungen nicht mehr mitzumischen und sich auf die Sensibilisierung der Bevölkerung für Entwicklungsfragen zu konzentrieren. Die bereits 1971 von Helvetas mit gegründete „Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke“ (heute Alliance Sud) übernahm mehr und mehr die politische Arbeit und setzt sich für eine solidarische Politik der Schweiz gegenüber den armen Ländern ein.
  • Helvetas passt ihre Projektarbeit den veränderten Herausforderungen in einer globalisierten Welt an und intensiviert in der Schweiz die Kampagnenarbeit. 2011 schliesst sie sich mit Intercooperation zusammen, um noch wirkungsvoller gegen Armut vorzugehen. Um die globalen Rahmenbedingungen für Entwicklung zu verändern, engagierte sich Helvetas zunehmend für den Fairen Handel. Anfang der 90er Jahre wurde auch der heute noch praktizierte Multipartneransatz eingeführt: Lokale NGOs, Behörden sowie private Dienstleister werden in die Projekte mit einbezogen. Der Austausch von Know-how führt zu gestärkten Kapazitäten – auf beiden Seiten. Auch werden immer weniger Schweizerinnen und Schweizer in die Projektländer geschickt und vermehrt lokale Experten eingesetzt. In der Öffentlichkeit machte sich Helvetas mit pointierten Wasser-Kampagnen einen Namen. Noch heute macht sie sich stark dafür, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Auch der Positionsbezug bei Volkentscheiden zu entwicklungspolitisch relevanten Fragen wurde zur Selbstverständlichkeit, wenngleich er im Ton diskreter bleibt als anderswo. 2009 ging Helvetas eine strategische Partnerschaft mit Intercooperation ein. Schon im ersten Jahr können in Ländern, wo beide Organisationen präsent sind, Büros zusammengelegt und so Kosten gespart werden. Doch nicht nur geographisch, sondern auch thematisch passen die beiden Organisationen ideal zusammen. Die bestehenden Themenfelder von Helvetas werden durch die Spezialisierung von Intercooperation in den Bereichen Klima, Mikrofinanz und Unternehmensförderung bestens ergänzt. Aufgrund der fruchtbaren Zusammenarbeit und Synergien, gehen Helvetas und Intercooperation 2011 einen Schritt weiter und schliessen sich zu einer Organisation zusammen. Dank der Grösse und der vereinten Fachkompetenz kann HELVETAS Swiss Intercooperation nun vermehrt Einfluss in die Politik nehmen und einen noch wirkungsvolleren Beitrag zur Armutsminderung und Verbesserung der Lebensgrundlagen von benachteiligten Menschen und Gemeinschaften in den Partnerländern leisten.